Montag, 4. Juni 2012

Fischerei mit Zukunft

Mhhhh lecker, gerade brutzelt ein großes Stück Seelachs in meiner Pfanne und der Geruch von knusprigem Fisch steigt in meine Nase. Da ich mir nach den erschreckenden Fakten zum Thema Fleisch, fest vorgenommen habe weniger Fleisch zu essen, probiere ich mich gerade aus an neuen Fischrezepten. Schließlich muss ich doch irgendwie an die wertvollen tierischen Proteine kommen. Auf den ersten Blick habe ich auch kein schlechtes Gewissen, immerhin handelt es sich um wild gefangen Fisch. Meine naive Vorstellung ist, dass er also bestimmt ein „glückliches“ Leben im Ozean hatte und daher auch nichts gegen den Konsum von Fisch spricht. Was soll man also gegen ein knuspriges Stück Fisch in der Pfanne einzuwenden haben?

Bildquelle: http://www.freedigitalphotos.net
Fische und andere Meeresfrüchte sind beliebte und gesunde Bestandteile unseres Speiseplans. Doch Wissenschaftler schlagen Alarm: Die unendlich scheinende Ressource Fisch wird immer knapper: Rund 82 Millionen Tonnen Fische werden  jährlich aus den Meeren gefischt. Dies ist viermal mehr als noch vor 50 Jahren. Die langjährige Übernutzung der einst so fischreichen Meere hat dazu geführt, dass mittlerweile achtzig Prozent der Fischbestände weltweit von Überfischung und vom Aussterben bedroht sind. Wissenschaftler warnen vor der völligen Auslöschung aller gefischten Arte bis zum Jahr 2062.

Beifang: reine Nebensache?
Bedroht sind aber nicht nur die Fischbestände - Haie, Seevögel, Meeresschildkröten, Delfine und Wale, verenden als sogenannter Beifang. Das Wort Beifang  beschreibt zufällig mitgefangene Meerestiere, deren Tod gerne in Kauf genommen wird, um hohe Fangmengen zu ermöglichen. Dieser macht etwa vierzig Prozent des Fangs in den Netzen aus! Bei manchen Fischarten fällt kaum Beifang an, bei anderen wiederum werden pro Kilogramm Fisch bis zu 20 Kilogramm Meerestiere mitgefangen. So wird zum Beispiel beim Fang auf Scholle, Seezunge oder Krabben weit mehr als die Hälfte der gefangenen Lebewesen tot oder sterbend wieder zurück ins Meer geworfen. Selbst dann, wenn darunter Fische sind, die wiederum auf der Wunschliste anderer Fischer stehen – eine gigantische Verschwendung, die eine nachhaltige Fischerei praktisch unmöglich macht. Um sich schnell ein Bild  davon machen, wie viele Meerestiere für unsere Speisefische zusätzlich sterben müssen ist der WWF-Beifangrechner super praktisch. Zudem kann man die Fischarten ausfindig machen, deren Fang wenig Beifang produziert.

Aquakultur: die bessere Alternative? 
Die Alternative zum Wildfang sind Aquakulturen.  47 Prozent des Bedarfs an Meeresfrüchten, Süß- und Salzwasserfischen werden mittlerweile aus Aquakulturen gedeckt. Was viele allerdings nicht wissen: Die Überfischung der Meere wird dadurch weiter vorangetrieben. Viele der Zuchtfische sind Raubfische. Auf ihrem Speiseplan steht - Fisch. Täglich und in ausreichender Menge. Ein Großteil der eingesetzten Nahrung geht dabei verloren: Für ein Kilo gezüchteten Lachs müssen bis zu fünf Kilo wild gefangener Fisch gefüttert werden. Bei der Thunfischzucht sind sogar 20 Kilo Futter pro Kilo Thunfisch nötig. Man wandelt also schlicht weg eine Art Fisch in eine andere um, aber keinesfalls mehr Fisch.

 Was also tun?
Grundsätzlich liegt der Schutz der Fischbestände natürlich in den Händen der Politik, welche die stattlichen Fangquoten festlegen, um den Fischfang zu regulieren. Leider folgt die Politik den Empfehlungen der Wissenschaft nur selten: im Durchschnitt liegen die Fangquoten 38 Prozent über den Empfehlungen der wissenschaftlichen Experten. Und selbst an diese halten sich die Fischer nur sehr selten. Das erkennt man mehr sehr anschaulich an den Fangquoten, die 2008 für Blauflossen-Thunfische beschlossen wurden: 10.000t von Wissenschaftlern empfholen, 29.500t von der EU beschlossen, 61.000t werden tatsächlich gefischt!!!
Bildquelle: Animationsflim von Uli Henrik Streckenbach (http://vimeo.com/27150005) auf Basis des Films „Die unbequeme Wahrheit über unsere Ozeane“ von Rupert Murray
Da die Politik versagt, müssen wir alle, die Verbraucher, ganz konkret über unser verändertes Verhalten Einfluss auf die Fischereiwirtschaft nehmen, denn auch für diese gilt: Die Nachfrage regelt das Angebot.  Wie wir uns im Supermarkt und im Restaurant entscheiden hat eine direkte Auswirkung auf die Vielfalt der Meere. Indem wir fragen, woher der Fisch kommt, den wir kaufen, und uns aktiv für nachhaltig gefangenen Fisch entscheiden, verändert sich das Angebot – langsam aber sicher. Einen guten Überblick und schnelle Entscheidungshilfe an der Kühltheke oder im Restaurant bietet der Greenpeace-Fischratgeber, der aufzeigt, welche Fischart aus welchem Fanggebiet nicht gefährdet ist. 

Die gut Nachricht ist: eine Lösung ist möglich! Bei der Fischerei, im Gegensatz zu vielen anderen Gebieten, sogar relativ leicht. Wir alle können unseren Beitrag leisten die Überfischung der Meere zu stoppen, indem wir bewusst konsumieren. Klar müssen wir unsere tägliche Routine dafür ein Stück weit brechen, was anstrengend sein kann. Aber so schwer - beim Einkaufen einfach mal kurz auf den Ratgeber zu achten -ist es doch eigentlich auch wieder nicht.

Es bloggt für euch,
Chris



Weitere Quellen und Tipps:

Kommentare:

  1. Wow, total spannend! Ich wusste gar nicht, wie krass das ist mit der Fischerei. Werde mir schleunigst den Fischratgeber runterladen. Danke für die Tip. Weiter so...

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  2. wundervoller Arktikel! Mir war gar nicht bewusst, wie veil Beifang anfällt!
    Für alle die auch politisch aktiv werden wollen hier eine aktuelle Petition zu dem Thema: http://action.wwf.de/ea-action/action?ea.client.id=1726&ea.campaign.id=15688

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  3. super anschaulich geschrieben! die grafik haut einen einfach nur um!

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  4. boah, die Problematik mit dem Zuchtfisch war mir gar nicht bewusst! Ihr habt echt Einfluss auf mein Konsumverhalten! weiter so!!!

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