Montag, 7. Mai 2012

Ein Schrank voll nichts zum Anziehen

Noch 10  Minuten, dann müsste ich eigentlich auch schon bei meinem ersten Termin heute sein, allerdings stehe ich noch nicht einmal halb bekleidet vor meinem Schrank. Kaum öffne ich die Tür, werde ich von einer Lawine von T-Shirts, Röcken und Undefinierbarem erfasst. Da sollte doch was zu finden sein! Bei näherer Betrachtung muss ich jedoch feststellen, dass  -so sehr ich Klischees verabscheue- zumindest auf meinen Schrank eines zutrifft: ein Kleiderschrank voll nichts zum Anziehen. 

Ich weiß nicht genau, wie diese ganzen schrecklichen Teile es in meine Wohnung geschafft haben und welcher Frust dazu geführt hat, dass ich nun unter anderem einen viel zu engen, zu kurzen goldenen Paillettenrock  mein eigen nennen kann.  Zu allem Überfluss schaltet sich jetzt auch noch mein Öko-Bewusstsein ein: die meisten der Teile sind ganz sicher nicht fair oder biologisch schonend hergestellt.  Und durchschnittlich verbraucht jeder Deutscher pro Jahr  11-15 Kilogramm Textilien.  Als ich am Abend meine Shirts wiege komme ich auf den stolzen Wert von 17 Kilo.  

Wieder meldet sich das Gewissen: der gesamte Herstellungsprozess von Textilien ist geprägt von schlechten Arbeitsbedingungen und Umweltverschmutzung.
Allein die Baumwollherstellung verbraucht Unmengen von Wasser. So stecken in einer Jeans etwa 8.000 Liter Wasser. Zudem wird Baumwolle meist in Monokulturen angebaut, was auf Dauer zu einer Auslaugung der Böden und Versteppung führt. Durch den Einsatz von Pestiziden und Düngemittel wird die Umwelt extrem belastet. Außerdem leiden auch die Arbeiter darunter: die wenigsten von ihnen sind durch Schutzkleidung und Atemmasken ausreichend vor den Giften geschützt. In  erkranken jährlich 3.000.000 Menschen an den Folgen ihrer Arbeit auf den Baumwollfeldern und 20.000 sterben sogar.
Auch in der Verarbeitung des Rohstoffs Baumwolle sieht es nicht viel besser aus: genäht wird vor allem in Sweatshops in Ländern der sogenannten Dritten Welt. Dort herrschen Hitze, Staub und erzwungen Überstunden. Oft nähen die sehr jungen Arbeiterinnen über  18 Stunden am Tag und können von ihrem Lohn trotzdem kaum leben. Auch hier werden Sicherheitsvorkehrungen nicht eingehalten und Notausgänge verstellt, teilweise werden die Arbeiterinnen eingesperrt und selbst Toilettengänge sind verboten bzw. stark eingeschränkt.  Oft kommt es zu Verletzung und bei Bränden können die Angestellten das Gebäude nicht oder nicht schnell genug verlassen.  Die Organisation in Gewerkschaften ist verboten, auch gibt es keinen Mutterschutz oder Krankengeld.
Während 25% des Verkaufspreises eines Kleidungsstücks ins Marketing und Werbung fließen, erhalten die Näherinnen nur 0,5- 1 %. 


Mit ein paar Nähutensilien lässt sich aus Altem Neues zaubern (Bildquelle: http://www.freedigitalphotos.net/)

Und was mache ich jetzt mit meinem Kleiderschrank voll nichts zum Anziehen? Die Sachen, die ich nicht mehr tragen werde wandern auf (Online-) Flohmärkte und Tauschpartys mit Freunden. Einige Basic-Shirts lassen sich auch noch mit Stofffarben und Aufnähern zu tragbarem umgestalten. Und neue Sachen? Die kommen jetzt ebenfalls vom Flohmarkt oder aus dem fairen Handel. Der garantiert gute Arbeitsbedingungen und einen Lohn, von dem die Näherinnen auch wirklich leben können. Zudem werden bei der Produktion auch Umweltstandards eingehalten. Und zum Glück gibt es mittlerweile zahlreiche faire Label, die Mode produzieren, die nicht aussieht, als hätte ich mir einen Jutesack übergeworfen.
Links zu diesen Labels findet ihr ebenfalls in meinem Blog.

Es bloggte für Euch Elena.

Informationen:

Faire Kleidung online:

Second Hand Online:

Kommentare:

  1. Hey Danke für diesen tollen Beitrag!Auch ich habe mich mit diesem Thema intensiv beschäftigt und nähe seitdem meine Kleidung selber oder verwende Secondhand Kleidung bzw betreibe Upcycling.Liebe Grüße

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  2. Danke für Dein Lob! Ich habe auch gerade beschlossen, dass es Zeit wird, mit dem Nähen zu beginnen, um alte Teile wieder aufzuwerten. Finde es immer wieder toll, wenn ich sowas höre, das motiviert zum Weitermachen! Liebe Grüße, Elena

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